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Sonntag, 19. Juni 2011

17 Jahr´braunes Haar

Da denkt man an nichts besonderes, hat einen ganz einfach strukturierten Sonntag hinter sich, mit Bügelwäsche und spielenden Kindern, mit kochen und aufräumen und ein bisschen Fernsehen. Und dann geht man auf  Facebook, bisschen schauen was da so ist und jemand hat einen Link von einem Lied veröffentlicht. Von Nena + Udo Lindenberg. Sehr cooles Lied, gefällt mir gut. Und die Stimme von Udo Lindenberg ist es, die einen urplötzlich kilometerweit in die Vergangenheit katapultiert. Lässt einen suchen nach anderen Liedern von ihm und plötzlich sind Erinnerung da und frau wird völlig sentimental. 

Meine Güte.

17 Jahre war ich alt. Und ein Kollege von mir in meiner Ausbildungsstätte war ziemlich verguckt in mich. Und wer auch immer jetzt wer-weiß denken mag, nö, da war gar nichts. Außer einer Freundschaft. Ich wollte nämlich nichts von ihm, mochte ihn aber sehr gerne. Und dieser Kollege, der ein (nicht mein) Freund wurde, hat seine Gefühle mit Udo Lindenberg ausgedrückt. Seitenweise Liedertexte in seinen Briefen an mich geschrieben. Und die Lieder auf Cassetten aufgenommen. Nix I-Pod und hastenichtgesehen. Ne, schnöde, einfache Cassetten. 

Und immer (was eigentlich so gut wie nie mehr vorkommt), wenn ich jetzt Udo Lindenberg höre, denke ich sofort an diese Zeit. Das geht wie auf Knopfdruck. 

Von "Kugel im Colt" finde ich kein Original, leider - aber hier gibt es das Lied von einem anderen Sänger. Text + Melodie stimmen aber:




Das ultimative Lied war dieses hier. Es ist einfach wunderschön und ich kann mich nicht erinnern, ob ich danach noch jemals eine solche Liebeserklärung bekommen habe (andere, aber diese war schon wirklich besonders): 


Es waren noch mehr, ich finde sie leider gerade nicht wirklich. Sie sind wohl zu alt. Aber es ist toll, wie Musik einen einfach zurückbeamt, in ein Leben, dass 25 Jahre her ist.

Der Mann, der sie mir damals geschickt hat, ist bis heute ein Freund. Man sieht sich ab und an mal, er wohnt im Nachbarort. Er ist mit einer bildhübschen Frau verheiratet und hat zwei Kinder. Aber Udo Lindenberg wird mich wohl für immer sofort an diese Zeit damals erinnen, 1986. 

Sowas sentimentales - und wer ist Schuld? Klar - Facebook ;-D

Euch allen noch einen schönen Sonntag Abend und morgen einen ruhigen Start in die neue Woche!

Donnerstag, 30. September 2010

Blick in die Zukunft

Heute auf der Straße.

Ich laufe zur Schule um das Tochterkind abzuholen.

Begegnet mir ein älterer Herr mit Rollator.

Im Korb vorne drin: Eine große blaue Tasche mit Aufdruck "Hausapotheke"

Sehr morbid war dieser Anblick. Sehr skuril.

Was mich aufgrund meiner ja nicht mangelnden Alterszipperleins dazu brachte, folgendes Experiment durchzuführen:

Wie sehe ich im Alter aus???????????????????

Das gute alte Internet hilft da ja immer:




*hust*Entzückend.

Na dann.. weiß jemand Online-Seiten für Rollatoren? Damit ich mir schon mal ein schickes Modell aussuchen kann???????

Montag, 2. August 2010

Es war einmal...

... vor nicht allzu langer Zeit, also, naja, vor ungefähr 36-37 Jahre da saß dieses junge Ding auf der Decke im Urlaub (fragt mich nicht mehr wo) und blinzelte mit dieser ulkigen Sonnenbrille in die Kamera. Ich weiß auch nicht wer da fotografiert hat, ich vermute mal, meine Mama.

Jetzt fragt Ihr Euch sicherlich, was mich veranlasst, so derart tief in die Mottenkiste zu greifen und uralte verstaubte Fotos von mir in den Blog zu werfen.

Ganz einfach geht das.

Kurz bevor man ins Bett geht, wirft man noch einen "kurzen Blick" auf das was so im Netz los ist und bleibt bei einem neu verfassten Blogeintrag der mittleren Schwester hängen "Bubenmamis Blog" . Dort muss das müde Auge lesen, dass das süße Schwesterlein Alterssorgen umtreiben, aufgrund der Tatsache dass man ein halbes (!!) graues Haar auf dem Haupt gefunden hat. Jetzt soll man als ältere (älteste, ALTE) Schwester natürlich weise das eigene Haupt senken und Verständnis zeigen, dass solche Plagen aufkommen. Mit drei Kindern hätte ich vermutlich schon eine eigene Wohnung im örtlichen Seniorenheim, aber gut ..

Das neun Jahre jüngere Schwesterlein quälen also Altersorgen.

Was mich dazu veranlasst, erst Recht nicht in den Spiegel zu blicken und der blanken Wahrheit ins Auge zu sehen. Aber sicher hilft es dem 32 jährigen Kind mit dem halben grauen Haar. Wenn ich ihr demnächst mein nicht weises, aber dafür umso weißeres Haupt zuneige und ihr zeige, was es heißt, alt auszusehen.. *grins*. Das tröstet doch gewiss ungemein. Überhaupt muss es total entspannend sein, immer, aber auch immer eine ältere Schwester zur Verfügung zu haben, neben der man sich gleich viel jünger und schöner fühlen kann.

Eigentlich ganz schön gemein oder? Mir bleibt die Wahl, meine 9 Jahre jüngere Version anzusehen oder meine 12 Jahre jüngere Version. Ist das nett? Ist das fair?

Und da fragt Ihr mich, warum ich alte Bilder ausgrabe und hier einstelle? Das ist pure Verzweiflung, Irrsinn, der Wunsch, ein noch vieeeeeeeeeeeeeeeeeel jüngeres ICH einzustellen, garantiert ganz ohne graues Haar.

*gacker*

Niemals habe ich behauptet normal zu sein. Aber jetzt wisst Ihr wenigstens auch, warum ;-D

Mittwoch, 8. Juli 2009

Die Tochter

Nun, wie geschrieben, waren wir vierzehn Tage an der Ostsee, in der Lübecker Bucht. Gemeinsam mit zwei anderen Familien, die wir vom letzten Jahr dort kennen. Familie 1 kam 3 Tage nach uns an, Eltern mit zwei Töchtern, knapp 8 Jahre und 2 Jahre jung. Der Vater ist 42 Jahre, die Mutter 39 Jahre alt.

Warum ich das so pingelig aufzähle?

Ich hole ein wenig aus *lufthol*. Unsere ersten drei Ferientage war gnadenlos tolles Wetter, strahlend blauer Himmel und eine Sonne wie im Bilderbuch. Selbst ich alte Frostbeule war im Bikini (!!) und OHNE (!!!!!!) Strickjacke darüber am Strand. Sogar mir war es warm genug. Was einiges heißt, denn im vergangenen Jahr war ich die Frau, die zwischen all´den Badehosen und Bikini-Träger/innen am Strand saß und Hose und Strickjacke trug. Mir war bei dem Wind immer zu kalt. Nicht so dieses Jahr. Einfach super. So haben wir also drei Tage hintereinander am gleichen Strandabschnitt verbracht und immer wenn man mal einen Kaffee holen ging, oder ähnliches, plapperte ich unseren Strandkorbvermieter voll. Oder ok, er erzählte. Ich kannte am Ende seine Lebensgeschichte und warum und wieso er überhaupt jetzt im Rentenalter seine Tage im Strandkorb verbringt und selbige vermietet.

Warum ich das auch so pingelig erzähle. Nun. Um zu erwähnen dass mich dieser Mann mehrfach, an drei Tagen hintereinander gesehen hat, mit relativ weniger Bekleidung, aus direkter Nähe und auch teilweise längeren Unterhaltungen. Auch war es hell, die Sonne schien und ich denke, ich war klar erkennbar.

Familie 1 traf nun drei Tage nach uns am Urlaubsort ein und hatte am Anreisetag den einen Regentag erwischt, den wir im gesamten Urlaub hatten. Es schüttete ziemlich heftig und wir zogen Regenmäntel an um trotzdem raus zu können. Am Nachmittag zogen wir auf die Promenade um dort einen Kaffee zu trinken. Wie gesagt, es regnete, wir trugen Regenjacken.

Kurz vor dem Café nun saß oben erwähnter Strandkorbvermieter in seinem Strandkorb, erkannte mich, grüßte und fragte dann mit einem Blick nach hinten : "Und das ist ihre Tochter?"

Ok. Ich drehte mich um, gab es doch einige in Frage kommende Kinder die anwesend waren und ich wollte sehen, wo meine Tochter stand um seine Frage zu beantworten.

Hinter mir stand jedoch weder mein Kind, noch Nele (8) oder Janne (2), die Töchter unserer befreundeten Familie.

Nein. Hinter mir stand deren Mutter.

Kathrin, 39 Jahre alt.




Weiß jemand, wo ich die Leiche des Strandkorbvermieters vergraben kann?

Montag, 15. Juni 2009

Große schwarze Löcher

Gut, ich mache gerne Witze darüber, nenne es "meine großen schwarzen Löcher mit ein bisschen Land dazwischen" und versuche zu vertuschen, dass ich in Wirklichkeit bereits Namensschilder an meinen Spiegeln angebracht habe, damit ich morgens weiß, wer mich da beim Zähneputzen so anschaut.

Die Auswirkungen der schwarzen Löcher sind unterschiedlich, sie machen sich in Kleinigkeiten bemerkbar, wie vergessene Sätze, die ich eben noch aussprechen wollte und die urplötzlich beschlossen haben, ins Nirwana auszuwandern. Oder der Tatsache, völlig planlos im Raum zu stehen und nicht mehr zu wissen, was man 2 sec. vorher dort holen wollte. Lustig sind die schwarzen Löcher, wenn ich dreimal zurück in die Wohnung laufe, sicherlich zum Vergnügen der Nachbarschaft, weil ich ständig etwas vergesse. Aber immerhin, es fällt mir noch an der Tür ein, macht ja nix, dass ich jedesmal auf-und zuschließe. So übt sich die Feinmotorik. Offensichtlich größer werden die Löcher, wenn mir beim erzählen einfach Worte fehlen, so stinknormale, ganz übliche Alltagsworte. Weg. Ins schwarze Loch gefallen. Reichlich albern fühle ich mich auch, wenn ich schon vorher weiß, dass ich dieses oder jenes ohnehin vergessen werde und genau das dann auch passiert. Weg, irgendwo bei den anderen im großen schwarzen Nichts. Und nicht, dass es mir wieder einfällt, nö, gewisse Dinge die ich hätte machen wollen/sollen/müssen sind völlig aus meinem löchrigen Hirn herausgefallen. Bis sie mir wieder einfallen, ist Winter.. oder Sommer, je nachdem, was gerade weiter weg ist. Unheimlich.

Und wirklich suspekt wurde mir dieser Tage zumute.

Mein Einsatz: Ein Einkaufsmarkt in einem Ort, in dem ich seit 25 Jahren Freunde und Bekannte wohnen habe, ich habe dort zwar nie gelebt, kenne aber vermutlich mehr Menschen da, als hier an meinem Wohnort. Aber egal.

Es ist Samstag Abend, ich husche incl. Kind die Tür zum Einkaufsmarkt rein um noch schnell zwei Gurken zu kaufen, als mich eine Frau von der Kasse aus ruft. Sie trägt Arbeitskleidung des Ladens und strahlt mich an. Ruft mich mit meinem Vornamen und freut sich offensichtlich sehr.

Zum Glück muss ich erstmal durch den Eingang vorn rein, um sie zu begrüßen und mir bleiben einige wertvolle Sekunden. WER IST DAS?? Ich weiß, ich kenne diese Frau gut, SEHR gut. Ich weiß, es ist jemand, den ich nicht nur so lala kenne von ein paarmal auf der Straße quatschen. Mein Hirn funkt S.O.S. Kein Empfang. Leere.

Die Frau steht vor mir, umarmt mich und freut sich wie Bolle. Und ich weiß immerhin, ich freue mich auch, ich weiß, ich mag sie sehr und ich weiß immer noch, ich kenne sie gut. Ich schiele ungeschickt auf ihr Namensschild am Kittel. Dort steht der Nachname.

Ok.

*räusper*

Die S.O.S - Signale werden panischer.

Ich weiß, ich kenne den Namen, habe ihn schon tausendmal gehört.

ABER WER IST DIESE FRAU??

Wir reden .. so ein bisschen drumherum, für den Anfang klappt das immer.

Ich werde immer panischer, wird mir doch klar, ich kann unmöglich fragen wer sie ist. Ich weiß, sie würde fassungslos umfallen.

Und kurz bevor mein schwarzes Loch von Gehirn mit roten Rauchzeichen Sirenengeheul anstimmt, spricht sie den erlösenden Satz..

"Und weißt Du, ich hatte irgendwann keine Lust mehr auf "............... " (hier der Name einer Kneipe) und wollte endlich mal was anderes machen.

*klirr*

Die Rauchzeichen wurden eingestellt, die S.O.S-Zeichen hörten auf zu funken und die Sirene stellte sich stromlos.

Ich stand vor einer Frau, mit der ich 8 (!!!) Jahre zusammen gearbeitet hatte, nicht täglich, aber gut 1 - 2 x in der Woche. Die ich schon vorher kannte und auch nachher noch oft mal auf einem Fest getroffen hatte. Das letzte Mal ca. vor 1-2 Jahren.

Das glaubt einem doch kein Mensch??? Hätte ich sie gefragt, woher wir uns kennen, sie hätte den Notarzt angerufen.

Leute, Leute. Ehrlich.

Ich bin Vierzig. Helft mir über die Straße.